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Die mutigste Frage – „WWJD?“

Autorin: Isi

Sonntagabend. 21 Uhr, dunkel, München Hbf in einer Seitenstraße.

Als ich schon nach Hause fahren will, erblicke ich einen Jungen in meinem Alter auf der Straße liegend.

In einer weißen Decke eingerollt liegt er mit dem Rücken zu mir an einer Wand auf dem Bordstein.

Um ihn herum schwarze Müllsäcke. Julian. Ihn hatte ich das letzte mal gesehen, als ich 10 war.

Nur hat er jetzt ungepflegte lange Haare und trägt eine zerrissene schwarze Hose.


„Er schläft, ihn anzusprechen wäre ja blöd jetzt“ war mein erster Gedanke und ich wollte umdrehen und gehen. Doch wusste ich auch, dass Jesus nicht einmal mit der Wimper gezuckt hätte in meiner Situation und wurde zornig über mich selbst.

Ständig im Gebet nach Weisheit und Mut, wird mir plötzlich glasklar, was zu tun war. Schritt für Schritt war es nicht mehr ich, sondern Gott, der mich zu seinem Ziel lenkte.

Wahnsinn – immernoch staune und grinse ich darüber, während ich diese Geschichte abtippe.

Die Hosen total voll, lief ich zum Hauptbahnhof, kaufte ein Sandwich und ein Wasser. Da fiel mir ein Blatt aus meinem Notizbuch, ich schrieb ihm einen Brief und stecke das Blatt gefaltet in die Sandwichtüte.

Mein Brief enthielt die Nachricht, dass Gott ihn nie vergessen hat, ihn liebt und auf ihn wartet.


Für mich wurde die Botschaft viel wichtiger als das Sandwich – ja überlebenswichtig. So sprach ich allein den Namen „Jesus“ aus auf dem Weg zu dem schlafenden Jungen. An etwas anderes konnte ich auf meinem Weg nicht mehr denken. Doch Jesus ging mit mir und sein Name wurde meine Kraft. Ich hatte in diesem Moment keinen Schimmer, ob er es wirklich war, er mich noch erkennt und erst recht nicht, wie er in seiner Situation auf mich reagieren würde. Jetzt stehe ich direkt bei ihm und frage vorsichtig „Julian?“. Er dreht sich zögerlich Stück für Stück von der Wand weg und wendet sein Gesicht zu mir hoch.


In diesem Moment fühlte ich, wie Gott Julian beim Namen kannte und nannte. Für Julian hätte ich einzig und allein seine Mutter sein können. Doch Gott kennt ihn und ruft ihn durch mich. Wir konnten es beide nicht fassen, ich durfte ihm alles geben und hoffentlich die Tür zu seinem Vater öffnen – was für eine Ehre! Und es lag nie in meiner Hand.


Ich habe mir also antrainiert, ein sehr gewagtes Gebet zu beten „WWJD?“ („What would Jesus do?“). Und sofort öffnet Gott mir die Augen für was er sieht.

Oft so einfach, und doch verschließen wir uns so oft, oder?

Ich muss sagen, oft habe ich auch Angst allein vor diesem Gebet. Was würde passieren, wenn ich in jeder Situation um Gottes Augen beten würde?

Freitagnacht, wenn ich sehe, wie Menschen sich in Süchte fliehen, weil sie ihren Arzt nicht kennen. Montagmorgen, wenn ich auf meinem Weg in die Arbeit einem leb- und hoffnungslosen Mann in die Augen schaue. Donnerstagnachmittag, wenn ich an zahlreichen Bettlern vorbeirausche und vor unzähligen Zeugen Jehovas weglaufe. In diesen Momenten frage ich mich so oft „WWJD?“. Und im nächsten Moment fürchte ich mich vor der Antwort.

Ich glaube fest daran, dass Gottes Herz für unsere Mitmenschen bricht voller Liebe. Wenn wir also singen „Break my heart for what breaks yours!“ ist das ganz schön gewagt. Dann siehst du plötzlich mit Gottes Augen, weinst mit ihm, schreist mit ihm.

Dein Herz bricht dann wirklich für seine Kinder. Aber ist es nicht genau das, was er sich wünscht? Ein Stück mehr das zu tun, was Jesus tun würde? Jesus hat die Welt revolutioniert und tut es immer noch! Also lasst uns davon lernen und mutig beten „WWJD?“ In deiner Schwäche wirkt er mutig und stark!

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