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Die Schönheit im Zerbrochenen

Eine enttäuschende Erfahrung, die ich jeden Tag oft auf schmerzvolle Art und Weise immer wieder erlebe ist, dass meine Mitmenschen und ich nicht perfekt sind. Ich weiß, krasse Erkenntnis ;)


So oft tue ich Dinge, die ich eigentlich gar nicht tun will oder die mich nerven: Gedanken, die ich nicht denken will - Aufgaben, die ich erledigen muss, aber zu faul dafür bin und sie nach hinten schiebe - Wörter, die ich sage und anderen Personen oder mir oftmals schaden - und und und …

Unsere Gesellschaft wird auch als „Wegwerfgesellschaft“ bezeichnet, da unsere Mentalität von einem schnellen Konsumieren und einem verschwenderischen Umgang von Ressourcen geprägt ist. Auch ich als „bekennender Tollpatsch“ kenne es gut, wenn ein Glas oder Gegenstand irgendwo herunterfällt und in viele Scherben zerbricht. Bevor ich mir die Mühe mache den Gegenstand zu fixen schmeiße ich ihn einfach weg und kauf mir einen neuen. Ein ähnliches Prinzip erleben wir auch in anderen Bereichen unseres Lebens. Zerbrochene Ehen, zerbrochene Beziehungen, zerbrochene Herzen, zerbrochene Träume, zerbrochene Leben. Auch auf Social Media sehen wir meistens nur die „shiny“ Seiten von anderen Leuten und selten ihre Zerbrochenheit.


Deshalb liebe ich unseren Gott umso mehr. Er kennt uns besser als jede andere Person und gleichzeitig liebt er uns mehr als jede andere Person. Vielleicht kennst du diese Worshipline: „Ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst“. Ganz ehrlich, früher habe ich diesen Satz überhaupt nicht gemocht. So eine falsche Demut, als wäre ich so schlimm und unausstehlich. Aber diese „Line“ ist mittlerweile zu einem täglichen Gebet geworden, weil ich Gott genau deswegen so dankbar bin. Er liebt mich mit all meinen Wunden, meinen Fehlern, meinen Schwächen und in all meiner Zerbrochenheit.


In Japan gibt es eine traditionelle Kunstform namens Kintsugi (dt. Goldverbindung/ -flickung) bei der Keramik- oder Porzellanbruchstücke zusammengeklebt und mit Gold verziert werden. Aus etwas Zerbrochenem entsteht dabei etwas Wunderschönes, das den ursprünglichen Wert um ein Vielfaches vermehrt. Anstatt die Brüche und Narben zu vertuschen, highlightet der Künstler sie. Anstatt zu versuchen, Dinge so-gut-wie-neu zu reparieren und wiederherzustellen wie sie einst waren, wertet diese Kunstform den vorherigen Gegenstand um ein Vielfaches auf und macht ihn besser als neu.


Genauso will Gott uns begegnen. Im Zerbrochenen, in den dunkelsten Ecken, im Leid und in unserer Schwäche strahlt er mit seinem Licht und macht daraus etwas Wunderschönes.

In meinem Leben durfte ich so viel Gnade und Heilung von Gott erfahren, dass ich meine Wunden und Narben nicht verstecken will, sondern sie ein Zeugnis sein sollen von dieser Transformation. Die Zerbrochenheit gehört zu unserem Menschsein. Ich bete, dass Gott mein Herz für die Dinge bricht, die ihm am Herzen liegen. Ich will die harte Schale, die so oft mein Herz umgibt, zerbrechen und weich werden lassen. Einen Gott, der größer, besser und stärker als alles andere ist, gibt es in auch in vielen anderen Religionen. Einen Gott, der sich aber klein, verwundbar und damit zugänglich macht, unterscheidet unsere christliche Vorstellung von Gott von den anderen. Ich lieb’s, dass Jesus unser Leiden nicht nur kennt, sondern viel Schlimmeres durchgemacht hat. In den Evangelien liest man immer wieder, dass ihn tiefes Mitgefühl ergriff als er Kranke und Arme gesehen hat und dass er auf sie zuging, um sie zu heilen. Genauso wünsche ich mir ein Herz, das weich wird und sich berühren lässt von dem Leiden anderer. So oft geht es in unserem Leben nur um uns selbst. Der Dienst an den Kranken, Armen, Schwachen und benachteiligten Randgruppen ist für mich ein so wichtiger Aspekt meines Christseins. Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken (Mk. 2, 13-17).


Wenn wir uns also wertlos, hässlich, schlecht und kaputt fühlen richtet Gott uns wieder auf und transformiert uns in eine neue Schöpfung. Eine, die wunderschön und wertvoll ist. Ganz oft erlebe ich eine heilende Kraft und Gottes Wirken im Gespräch mit einer anderen Person, indem ich Dinge ausspreche, sie ans Licht bringe, mich im sicheren Rahmen verletzlich mache, meine Schwächen zugebe und mich öffne. Ich wünsche mir, dass wir uns nicht für unsere Schwachheit schämen und dadurch mit Niemandem darüber reden, sondern dass wir uns von Gottes Wirken in seiner Gnade, Heilung, Vergebung, Liebe, Annahme, etc. verändern und heilen lassen und diese Narben und geheilten Wunden mit Freude zeigen, weil sie ein Zeugnis sind von Gottes Liebe für uns.


„Doch der Herr hat zu mir gesagt: Meine Gnade ist alles was du brauchst, denn meine Kraft kommt gerade in der Schwachheit zur vollen Auswirkung. Daher will ich nun mit größter Freude und mehr als alles andere meine Schwachheiten rühmen, weil dann die Kraft von Christus in mir wohnt.“ (2. Kor. 12,9 NGÜ)

Be blessed and shine bright,

Tim

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